Die Gebäude

Industrie, Kultur und Geschichte

Mies van der Rohes einzige Industriebauten brechen mit der traditionellen Backsteinbauweise. Stattdessen sind HE-Gebäude und Alte Färberei strahlend weiße Bauten. Obwohl er selbst nur den Bau von HE-Gebäude und Alter Färberei leitete, erstellte Mies van der Rohe Pläne für das gesamte Gelände. Schon in den 1930er Jahren wurden diese weiterverfolgt und heute, mit der Revitalisierung, wird der Business Park auf Basis der originalen Entwürfe vollendet.

Im HE-Gebäude wurden vor allem die teuren Innenfutter-Stoffe gelagert. Daher auch der Name des Gebäudes: HE steht für „Herrenfutterstoffe“. Das strahlend helle Äußere des HE-Gebäudes mit seinen großen, streng gerasterten Fensterbändern wird durch das Treppenhaus aus dunkelroten, braunen und fast schwarzen Klinkern kontrastiert.

Die erste und zweite Etage sind durch eine Stützenreihe geteilt, das oberste Stockwerk ist gänzlich stützenfrei angelegt. So konnten die Flächen als Lager genutzt werden. Wenn jedoch Arbeits- oder Büroräume gebraucht wurden, ließen sich diese durch versetzbare Wände abtrennen. Mies van der Rohe konstruierte schon hier „nutzungsvariable Universalräume“, die heute den neuen Nutzern zugute kommen.

Bei der Modernisierung blieb das erste Obergeschoss weitestgehend unberührt und versprüht noch seinen 70er Jahre Charme. Im zweiten Stockwerk sind Büros entstanden, in der dritten Etage zusätzlich ein imposanter offener, stützenfreier Raum mit einer großen Fensterfront. In beiden Etagen ist das originale Parkett fast komplett erhalten und wurde nur abgeschliffen und gewachst.

Die alte Färberei

Die Alte Färberei mit den charakteristischen Shed-Dächern prägt den Eindruck des gesamten Campus. Sie aktuell ist weitestgehend unsaniert und wird als offener Büroraum mit Galerie revitalisiert. Die Flächen werden durch Fensterbänder in den Sheds natürlich belichtet werden. Das vom HE-Gebäude aus gesehen erste Shed weißt ein größeres durchgängiges Fenster auf, das zur Erbauungszeit nur aufwändig herzustellen war. Wahrscheinlich dient es repräsentativen Zwecken, da dies der Eingangsbereich der Halle ist, den man auch vom HE-Gebäude aus sehen kann.

Mies van der Rohe entwarf die Halle bewusst ohne tragende Wände. Damit entspricht sie den heutigen Ansprüchen an eine moderne Arbeitswelt. Eine Galerie-Ebene fügt den Flächen im Erdgeschoss weitere Bereiche hinzu, Aufgänge und Aufzüge verbinden die beiden Ebenen barrierefrei miteinander. Ausschnitte der Galerie-Ebene schaffen attraktive Lufträume, die die großzügige Raumhöhe voll zur Geltung bringen.

 

Neue und alte Gebäude

Ab 1934 übergab Mies van der Rohe die Planung der weiteren Gebäude auf dem Gelände an seinen Schüler Erich Holthoff. Es ist wahrscheinlich, dass dieser bei der Gestaltung von Pförtnerhaus, Warendurchsicht, Schlichterei und Bürogebäude intensiv Rücksprache mit Mies van der Rohe hielt und nach seinen Anweisungen handelte, da sie sich stilistisch ungemein stark an den Vorgaben des Meisters orientieren.

 

Einzig das Kesselhaus sticht heraus. Es folgt in Optik und Bauweise klar seiner Funktion als Kraftwerk und dank seines markanten Schornsteins avancierte es zum Wahrzeichen der Anlage.

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